Rotlicht Erkältung: der komplette Guide
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Der Kopf ist dicht, die Nase läuft seit drei Tagen, und im Schrank steht noch die Rotlichtlampe, die früher deiner Mutter gehört hat.
Du stellst sie auf den Küchentisch, setzt dich davor und machst die Augen zu. Nach zehn Minuten ist das Gesicht warm, die Nase geht ein Stück weit auf, und es fühlt sich zum ersten Mal seit Tagen nach Besserung an.
Zwei Stunden später ist alles wieder wie vorher. Diese Frage landet jeden Winter bei mir, fast immer im selben Wortlaut: Hat das jetzt gewirkt, oder habe ich mir das eingebildet?
Beides stimmt. Die Wärme tut tatsächlich etwas, sie tut es nur an einer anderen Stelle als gedacht, und sie hört auf, wenn die Lampe ausgeht.
Was bei einer Erkältung in deiner Nase passiert
Eine Erkältung ist eine Infektion der Schleimhaut in Nase und Rachen, meist ausgelöst durch Rhinoviren, eine der häufigsten Virusgruppen beim Menschen.
Was dir dabei zusetzt, kommt weniger vom Virus selbst als von deiner eigenen Abwehr. Die Gefäße in der Schleimhaut weiten sich, Flüssigkeit tritt ins Gewebe, die Schleimhaut schwillt an. Was du als verstopfte Nase spürst, ist geschwollenes Gewebe und nicht in erster Linie Sekret.
Erwachsene machen das zwei bis vier Mal im Jahr durch. Der Verlauf dauert meist sieben bis zehn Tage. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn du etwas dagegen unternimmst.
Das ist der Rahmen, in dem alles Weitere steht. Es geht nicht darum, die Erkältung abzukürzen. Es geht darum, wie sich diese Tage anfühlen.
Was eine Rotlichtlampe tatsächlich macht
Eine klassische Rotlichtlampe ist eine Wärmequelle. Der größte Teil dessen, was sie abgibt, ist Infrarotstrahlung, also Licht mit längeren Wellen, als das Auge sie sehen kann, und im Gewebe wird daraus Wärme.
Wie weit diese Strahlung kommt, hängt von der Wellenlänge ab. Der kurzwellige Anteil geht am tiefsten und bleibt trotzdem im Bereich weniger Millimeter. Der längerwellige Teil kommt über die Oberfläche kaum hinaus.
Die Lampe wärmt deine Haut und das, was direkt darunter liegt. Alles Tiefere erreicht sie höchstens auf dem Umweg über die Durchblutung, die in der erwärmten Region ansteigt.
Moderne LED-Panels mit 660 und 850 Nanometern arbeiten mit engeren Wellenlängen und mit deutlich weniger Hitze. Der Anteil, der bei einer Erkältung eine Rolle spielt, ist in beiden Fällen die Wärme.
Warum die Nebenhöhlen davon wenig mitbekommen
Die Nebenhöhlen sind luftgefüllte Räume im Schädelknochen, ausgekleidet mit derselben Schleimhaut wie die Nase. Die Stirnhöhle sitzt hinter der Stirn, die Kieferhöhle hinter der Wange.
Zwischen der Lampe und dieser Schleimhaut liegen Haut, Fettgewebe, Muskel und eine Schicht Knochen. Eindringtiefen im Bereich weniger Millimeter kommen dort nicht an, und daran ändert auch ein stärkeres Gerät nichts.
Beim Ohr ist es noch deutlicher. Das Mittelohr liegt hinter dem Trommelfell, tief im Knochen. Seiten, die Rotlicht bei Ohrenschmerzen empfehlen, nennen im selben Text eine Eindringtiefe von wenigen Millimetern.
Was die Lampe zuverlässig erreicht, ist die Haut selbst, und genau deshalb wird dieselbe Technik auch für das Gesicht verkauft. Bei einer Erkältung sitzt dein Problem nur nicht dort.

Die eine Idee, an der etwas dran ist
Ein Gedanke taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf, und er ist nicht falsch: Erkältungsviren mögen es kühl.
Eine Arbeitsgruppe in Yale hat Atemwegszellen bei 33 und bei 37 Grad mit Rhinoviren in Kontakt gebracht. Bei 33 Grad vermehrte sich das Virus deutlich besser, weil die Abwehrreaktion der Zellen bei der niedrigeren Temperatur schwächer ausfiel. Deine Nase liegt genau in diesem kühleren Bereich, weil ständig Außenluft hindurchströmt.
Jetzt der Satz, der es selten in die Zusammenfassungen schafft. Es waren Mauszellen in der Kulturschale, und die Temperatur wurde im Brutschrank eingestellt, nicht mit einer Lampe von außen.
Eine Lampe erwärmt die Haut über der Nase. Die Luft, die du einatmest, bleibt so kühl wie der Raum. Der Weg von diesem Versuch zu deinem Küchentisch ist weit, und niemand hat ihn bisher zu Ende gemessen.
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Wie lange die Erleichterung anhält
Diese Frage beantwortet kaum jemand, dabei ist sie die einzige, die für deine Entscheidung wirklich zählt.
Wärme weitet Gefäße, solange sie da ist. Kühlt das Gewebe ab, gehen die Gefäße in ihren Ausgangszustand zurück, und die Schleimhaut schwillt wieder auf das Maß an, das die Infektion vorgibt. Die Erleichterung hält Minuten bis etwa eine Stunde, keinen halben Tag.
Das klingt ernüchternd, ändert aber vor allem den Zeitpunkt. Über den Tag verteilt als Kur bringt die Lampe wenig. Direkt vor dem Schlafengehen, wenn die zugeschwollene Nase am meisten stört, bringt sie mehr.
Bei Verspannungen im Rücken gilt genau dasselbe, und dort fällt es den meisten leichter, es zu akzeptieren. Auch dort wird Wärme regelmäßig mit einer Behandlung verwechselt.
Mir ist diese Formulierung lieber als das übliche „unterstützt den Heilungsprozess“, das überall steht und dir nichts sagt, worauf du dich einstellen kannst.
Abstand, Dauer und warum überall andere Zahlen stehen
Sieh dir zehn Ratgeber an, und du bekommst zehn Angaben. Meistens landen sie bei 30 bis 50 Zentimetern und 10 bis 20 Minuten, ein bis drei Mal am Tag.
Der Haken daran fällt selten auf: Dieselbe Zahl steht bei einer 100-Watt-Birne wie bei einem 300-Watt-Gerät. Entscheidend ist aber nicht der Abstand an sich, sondern wie viel Energie pro Fläche bei dir ankommt, und die fällt mit wachsendem Abstand steil ab. Was das praktisch bedeutet, steht im Guide zu Rotlicht-Panels.
Die brauchbare Regel kommt ohne Zahl aus. Es soll durchgehend angenehm warm sein, ohne dass du zwischendurch wegrücken musst. Musst du das, sitzt du zu nah.
Und weil die Lampe bei einer Erkältung auf dein Gesicht zeigt: Augen zu. Bei starken Geräten gilt für die Augen eine eigene Regel.

Wann du die Lampe stehen lässt
Bei Fieber nicht. Dein Körper arbeitet dann ohnehin gegen seine eigene Temperaturregelung, und zusätzliche Wärme von außen erleichtert ihm das nicht. Miss nach, bevor du sie einschaltest, statt zu schätzen.
Bei gestörtem Wärmeempfinden ebenfalls nicht. Wer Hitze nicht zuverlässig spürt, merkt eine beginnende Verbrennung zu spät, und das betrifft mehr Menschen, als man annimmt.
Und bei allem, was aus dem Rahmen fällt, ist die Lampe die falsche Antwort: einseitige starke Gesichtsschmerzen, hohes Fieber, Beschwerden, die nach zehn Tagen nicht abklingen oder nach einer Besserung erneut auftreten. Das gehört abgeklärt.
Bei Kindern gilt größerer Abstand, kürzere Zeit, und niemand geht dabei aus dem Raum.

Was ehrlich gegen die Lampe spricht
Drei Dinge, und sie stehen so gut wie nirgends.
Es gibt keine Studie, die zeigt, dass Rotlicht eine Erkältung verkürzt. Am nächsten kommt eine Übersichtsarbeit zu erwärmter, angefeuchteter Atemluft: sechs Studien, 387 Teilnehmer, und belegen ließ sich weder ein Nutzen noch ein Schaden. Das ist eine andere Anwendung als eine Lampe vor dem Gesicht, aber es ist der am besten untersuchte Verwandte.
Trockene Hitze entzieht der Schleimhaut Feuchtigkeit. Sitzt du zu lange oder zu nah, kann die Nase danach borkiger und dichter sein als vorher, und dieser Effekt hält länger an als die Erleichterung davor.
Und niemand sagt dir, wann du aufhören sollst. Wenn du nach drei Tagen keinen Unterschied bemerkst, ist das die Antwort. Eine Lampe, die bei dir nichts bewirkt, bewirkt es auch in der zweiten Woche nicht.
Dass du nach drei Tagen nicht sagen kannst, ob die Lampe etwas gebracht hat, liegt nicht daran, dass du zu ungenau hingesehen hättest. Es liegt daran, dass dir niemand gesagt hat, wie lange der Effekt überhaupt anhalten kann.
Uns ist lieber, du weißt, was Wärme leisten kann und wo sie aufhört, als dass du ein Gerät benutzt und dabei hoffst.
Merk dir beim nächsten Mal die Uhrzeit, zu der die Nase wieder zugeht. Diese eine Zahl sagt dir mehr über deine Lampe als jeder Ratgeber.