Was ist Mikrostrom Lifting? Einfach erklärt
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Kurz gesagt
- Mikrostrom „Lifting“ hebt nichts an. Es lässt die Haut eine Weile straffer aussehen.
- Der Effekt direkt nach der Anwendung hält Stunden, nicht Tage, und besteht großenteils aus Durchblutung und Feuchtigkeit.
- Der Effekt, auf den es ankommt, ist ein leicht höherer Grundtonus. Dafür brauchst du vier bis sechs Wochen bei etwa fünf Anwendungen pro Woche.
- Er geht zurück, wenn du aufhörst. Das ist eine Gewohnheit, keine Behandlung.
- Gegen echte Erschlaffung, verlorenes Volumen und Pigmentflecken richtet Mikrostrom nichts aus.
Es ist halb elf, du stehst im Bad und machst das Licht über dem Spiegel an. Das kalte.
Da ist sie wieder, diese Linie am Kiefer, die vor ein paar Jahren noch klarer war. Du ziehst die Haut an der Wange mit zwei Fingern ein Stück nach oben. So sah das mal aus. Dann lässt du los.
Am nächsten Tag tippst du „Mikrostrom Lifting“ ins Handy, weil irgendwo stand, das sei ein Facelift ohne OP.
Das Wort „Lifting“ ist geliehen, und genau daran scheitern die meisten Erwartungen.
Was „Lifting“ bei einem Gerät wirklich heißt
Beim Chirurgen bedeutet Lifting: Gewebe wird gelöst, nach oben verlagert und dort befestigt, überschüssige Haut wird entfernt. Etwas wird tatsächlich angehoben.
Bei einem Kosmetikgerät bedeutet dasselbe Wort etwas anderes. Es wird nichts verlagert und nichts entfernt. Gemeint ist: die Haut sieht für eine begrenzte Zeit straffer aus.
Wer „Lifting“ liest und an den Operationssaal denkt, vergleicht zwei Dinge, die physikalisch nichts miteinander zu tun haben. Das steht auf kaum einer der Seiten, die das Wort in die Überschrift setzen.
Was der Strom in deiner Haut macht
Mikrostrom ist Strom im Bereich von Mikroampere, also Millionstel Ampere. Kosmetische Geräte arbeiten meist zwischen 100 und 600 davon, bei sehr niedrigen Frequenzen.
Zwei Elektroden am Kopf bilden einen Stromkreis. Über ein feuchtes Leitgel fließt der Strom durch die oberen Gewebeschichten, und ohne dieses Gel fließt er praktisch gar nicht.
Er soll dort die Durchblutung anregen, den Lymphfluss in Gang bringen und die Fibroblasten erreichen, also die Zellen, die Kollagen herstellen.
Was er nicht tut: Muskeln zusammenziehen. Dafür ist die Stromstärke zu klein, und zwar mit Absicht.
Warum du fast nichts davon spürst
Die Stromstärke liegt ungefähr in der Größenordnung der körpereigenen Ströme. Deshalb spürst du meistens nur ein leichtes Kribbeln, manchmal gar nichts.
Das ist der Moment, in dem viele Geräte in der Schublade landen. Kein Zucken, kein Ziehen, also wirkt es nicht.
Der Schluss ist verständlich und trotzdem falsch herum gedacht, denn spürbares Zucken wäre EMS, und EMS arbeitet mit ungefähr dem Tausendfachen an Stromstärke. Bei Mikrostrom ist das Nichtspüren die Bauart und nicht der Defekt. Es gibt daneben Gründe, warum Mikrostrom bei manchen tatsächlich nichts bringt.
Von Mikrostrom bis zum Facelift
Fünf Verfahren tragen im Marketing dasselbe Wort. Sie machen fünf verschiedene Dinge, und der Unterschied zwischen ihnen ist nicht graduell.
| Verfahren | Was physikalisch passiert | Wie lange es hält |
|---|---|---|
| Mikrostrom | Mikroampere, Durchblutung und Grundtonus | Stunden, kumulativ über Wochen |
| EMS | Milliampere, echte Muskelkontraktion | solange trainiert wird |
| Radiofrequenz | kontrollierte Wärme in der Dermis, Kollagen zieht sich zusammen und wird neu gebildet | Monate |
| HIFU | fokussierter Ultraschall bis in tiefere Bindegewebsschichten | Monate bis etwa zwei Jahre |
| Chirurgisches Lifting | Gewebe wird verlagert und entfernt | Jahre |
Mikrostrom steht auf dieser Leiter unten, und das ist keine Abwertung. Es ist das einzige Verfahren auf der Liste, das du dir abends selbst machen kannst, ohne Termin und ohne Ausfallzeit.
Rotlicht taucht in solchen Aufzählungen oft mit auf, gehört aber nicht dazu, weil Licht an Rötungen, Teint und Kollagen über lange Zeiträume arbeitet und nicht an der Kontur. Wie das funktioniert, steht im Guide zum Rotlicht-Panel.
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VelvaLift Radiofrequenz, EMS und Mikrostrom in einem Gerät, mit drei Intensitätsstufen und zusätzlich Rotlicht. VelvaLift ansehen |
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Der Effekt am Abend, und was am Morgen übrig ist
Nach der ersten Anwendung siehst du meistens etwas. Die Wange wirkt praller, die Kieferlinie klarer, das Gesicht wacher.
Dieser Sofort-Effekt ist echt. Er ist auch der Grund, warum sich diese Geräte so gut verkaufen.
Nur besteht er zum größten Teil aus Durchblutung, verschobener Flüssigkeit und der Feuchtigkeit des Leitgels. Am nächsten Morgen ist er in aller Regel wieder weg.
Der zweite Effekt ist der, auf den es ankommt, und er ist deutlich langweiliger: ein etwas höherer Grundtonus, aufgebaut über Wochen. Den siehst du nicht abends im Spiegel, sondern auf einem Foto vom letzten Sommer. Beide in einen Satz zu packen ist der häufigste Fehler in der Werbung, und ausführlicher steht das im Guide zu Mikrostrom im Gesicht.
Bei einem Kombigerät wie VelvaLift sitzen Wärme und Strom im selben Gehäuse, und dann lohnt es sich zu wissen, welcher Teil den Tonus macht und welcher an der Struktur arbeitet.
Wie oft, wie lange, und ab wann du etwas siehst
Die Angaben widersprechen sich, weil Studiogeräte deutlich stärker arbeiten als Geräte für zu Hause. Für ein Heimgerät hat sich ungefähr dieser Rhythmus eingebürgert:
- Vier bis sechs Wochen Aufbau, etwa fünfmal pro Woche, zehn bis zwanzig Minuten.
- Danach eine bis zwei Anwendungen pro Woche, dauerhaft.
- Erste sichtbare Veränderung an der Kontur: frühestens nach zwei bis vier Wochen.
Rechne das einmal ehrlich durch, bevor du kaufst. In den ersten sechs Wochen sind das rund zwanzig Stunden vor dem Spiegel, dazu Leitgel, das laufend nachgekauft wird. Was ein Gerät über ein Jahr tatsächlich kostet, ist die nüchternere Frage als der Kaufpreis.
Und die Technik entscheidet mit, also in welche Richtung du fährst und auf welcher Stufe.
Wogegen Mikrostrom nichts ausrichtet
Haut, die durch verlorenes Volumen hängt, bewegt Strom nicht. Eine ruhende Nasolabialfalte füllt er nicht auf, und Volumen ersetzt er nicht.
Pigmentflecken, Rötungen und ein müder Teint sind ebenfalls kein Stromthema, dafür arbeitet Licht, im Gesicht etwa eine LED-Maske.
Bei Augenringen liegt die Ursache meistens woanders, als die meisten vermuten.
Was passiert, wenn du aufhörst
Der Tonus, den du dir über acht Wochen aufgebaut hast, hält nicht von allein. Er geht über Wochen wieder zurück, ähnlich wie bei Muskeln, die nicht mehr trainiert werden.
Das ist die Zusage, die in fast keiner Produktbeschreibung steht: Mikrostrom ist keine Behandlung, die man abschließt, sondern eine Gewohnheit.
Wenn du jetzt schon weißt, dass du dich dafür nicht dauerhaft zweimal pro Woche hinsetzen wirst, dann ist das eine ehrliche Antwort auf die Kaufentscheidung, und sie lautet nein.
Zur Datenlage, weil sie gern überverkauft wird: der kurzfristige Effekt ist gut beschrieben. Was nach einem Jahr regelmäßiger Anwendung übrig bleibt, ist es nicht.
Wenn du bisher enttäuscht warst, lag das selten an dir und selten am Gerät. Es lag an einem Wort, das aus dem Operationssaal stammt und auf einer Verpackung gelandet ist.
Uns ist lieber, du weißt vorher, was ein Verfahren kann und was nicht, als dass du es kaufst und es dir hinterher selbst erklärst.
Wenn du das nächste Mal „Lifting“ auf einer Packung liest, frag zuerst: angehoben, oder straffer aussehend?