5 Praxistipps zu Rotlicht und deinen Augen

Kurz gesagt

  • Bei einer LED-Maske oder einem LED-Panel im Gesicht reichen entspannt geschlossene Augen. Eine Brille ist dort nicht vorgesehen.
  • Bei einer Rotlichtlampe, also einem Wärmestrahler, gehört die mitgelieferte Schutzbrille auf. Jedes Mal.
  • Absichtlich in eine rote Lichtquelle sehen: nur, wenn sie ausdrücklich fürs Auge gebaut wurde. Deine ist es vermutlich nicht.
  • Abstand und Dauer stehen in deiner Anleitung, nicht im Testbericht.
  • Bei Grünem Star, Makuladegeneration, einer Netzhauterkrankung oder einem entzündeten Auge: erst der Augenarzt.

Du sitzt auf der Bettkante, die Maske liegt auf dem Gesicht, und du hast die Augen fest zugekniffen. Nicht entspannt geschlossen. Zugekniffen.

Durch die Lider siehst du trotzdem Rot. Und irgendwo zwischen Minute zwei und Minute drei kommt der Gedanke, der jeden Abend kommt.

Du hast danach gesucht, natürlich. Eine Seite sagt, geschlossene Augen reichen. Die nächste sagt, ohne Schutzbrille auf keinen Fall. Eine dritte empfiehlt, morgens drei Minuten absichtlich hineinzusehen, gegen die nachlassende Sehkraft. Alle drei klingen völlig sicher.

Keine dieser Antworten ist falsch. Sie reden nur über drei verschiedene Geräte.

Warum dieselbe Frage drei Antworten bekommt

Diese Frage bekomme ich häufiger als jede andere zum Thema Rotlicht, und fast immer von jemandem, der das Gerät längst benutzt und erst hinterher nachgelesen hat.

Der Grund für das Durcheinander ist ein Wort. „Rotlicht“ steht im Deutschen für mindestens drei Geräteklassen, die physikalisch wenig miteinander zu tun haben.

Gerät Typische Leistung an der Haut Was zum Auge gilt
Rotlichtlampe, 300 Watt Wärmestrahler rund 49 mW/cm² bei 30 cm Schutzbrille, vom Hersteller vorgeschrieben
LED-Maske fürs Gesicht rund 30 bis 46 mW/cm² geschlossene Augen, keine Brille vorgesehen
LED-Panel für Körper und Gesicht 110 bis 220 mW/cm², je nach Abstand Brille meist freigestellt, Hineinsehen ausgeschlossen

Die Zahl in der mittleren Spalte heißt Bestrahlungsstärke, also wie viel Lichtleistung auf einem Quadratzentimeter Haut ankommt. Sie erklärt die Empfehlungen aber nur zum Teil, denn das schwächste Gerät der drei ist ausgerechnet das mit der Pflichtbrille.

Was die Frage entscheidet, ist die Farbe des Lichts, die Wärme und die Richtung, in die du dabei schaust. Was die Geräte sonst noch unterscheidet, habe ich hier auseinandergenommen.

Was das geschlossene Lid wirklich tut

Der Rat, der überall steht, lautet: Augen zu, dann passiert nichts. Er stimmt meistens. Aber er stimmt aus einem anderen Grund als dem, den alle nennen.

Ein Oberlid ist wenige Zehntelmillimeter dünn und gut durchblutet. Es hält Licht nicht auf, es filtert es. Das geschlossene Lid ist kein Vorhang, sondern ein Farbfilter. Blau und Grün bleiben fast vollständig draußen, Rot kommt zu einem kleinen Teil hindurch. Deshalb siehst du unter der Maske ja auch Rot und nicht Schwarz.

Und trotzdem ist die Maske unbedenklich. Der Schadensweg, um den es bei Licht und Netzhaut geht, ist ein chemischer, und er hängt an kurzwelligem Licht, an Blau und an Weiß. Rot und Gelb bedienen ihn nicht. Bei der Maske entscheidet die Lichtfarbe, nicht das Lid.

Beim Wärmestrahler ist es genau andersherum. Dort geht es nicht um Chemie, sondern um Wärme und um Blendung, und dagegen richtet ein Lid wenig aus.

Tipp 1: Ordne dein Gerät ein, bevor du sonst etwas entscheidest

Bevor du über Abstand, Dauer oder Brille nachdenkst, beantworte eine einzige Frage: Wird dein Gerät warm?

Ein Wärmestrahler wird warm, weil Wärme sein Wirkprinzip ist. Er strahlt breitbandig, er blendet, und in seinem Karton lag eine geprüfte Schutzbrille. Die ist keine Beigabe, die gehört zum Gerät.

Eine LED-Maske und ein LED-Panel bleiben kühl. Sie arbeiten schmalbandig, meist um 630 Nanometer im sichtbaren Rot und um 830 bis 850 Nanometer im Nahinfrarot. Den zweiten Bereich siehst du nicht. Ein Panel kann also deutlich mehr leisten, als es für dein Auge aussieht, und genau deshalb taugt Helligkeit hier nicht als Maßstab.

Falls du nicht weißt, was bei dir im Schrank steht: die Wattzahl auf dem Typenschild und die Frage, ob die Haut nach zehn Minuten warm ist, klären das in einer Minute. Welche Bauform zu welchem Zweck gehört, steht hier nebeneinander.

Tipp 2: Bei der Maske reichen geschlossene Augen, beim Strahler nicht

Das ist die praktische Folge aus allem oben, und sie ist unspektakulär.

Maske oder Panel im Gesicht: Augen entspannt schließen, nicht zusammenkneifen. Zugekniffene Lider drücken sich genau in die feinen Linien, wegen derer du das Gerät überhaupt gekauft hast. Bei einer LED-Maske fürs Gesicht liegt die Augenpartie ohnehin unter dem Material, und mehr als entspannt zulassen musst du nicht.

Wärmestrahler: Brille auf, jedes Mal, auch wenn du nur den Nacken bestrahlst und das Gesicht abgewandt ist. Und niemals kurz hinsehen, um zu prüfen, ob das Gerät schon an ist. Genau in dieser Sekunde passiert es.

DermiGlow

Die Maske deckt Gesicht und Augenpartie ab, arbeitet mit vier Wellenlängen und braucht zehn Minuten am Abend.

DermiGlow ansehen
DermiGlow

Tipp 3: Nimm den Abstand deines Geräts, nicht den aus dem Testbericht

Licht wird mit dem Abstand sehr schnell schwächer. Ein Panel, das dicht vor der Haut über 200 mW/cm² liefert, ist bei 35 Zentimetern noch etwa halb so stark. Der Abstand ist kein Komfortdetail, er ist die eigentliche Dosiereinstellung.

Was die drei Gerätearten üblicherweise vorgeben:

  • Wärmestrahler: rund 30 Zentimeter, eine bis fünfzehn Minuten, Brille auf.
  • LED-Maske: aufgelegt, zehn Minuten, drei bis fünf Mal pro Woche.
  • LED-Panel: Abstand nach Anleitung, zehn bis dreißig Minuten.

Ein Panel für den Körper wie das NiraLux Compact bringt seine eigene Abstandstabelle mit, und die gilt vor jedem Testbericht im Netz.

Rechne nichts hoch. Doppelte Zeit ergibt keine doppelte Wirkung, und beim Wärmestrahler ergibt sie eine gereizte Augenpartie. Wie sich ein Panel im Alltag anfühlt, habe ich an anderer Stelle beschrieben.

Tipp 4: Sieh nicht absichtlich hinein, auch nicht drei Minuten

Es kursiert eine Empfehlung, morgens drei Minuten in eine rote Lichtquelle zu schauen, um die alternde Netzhaut zu unterstützen. Sie geht auf sehr kleine Untersuchungen zurück, zwanzig bis vierundzwanzig Menschen, unter Aufsicht, mit einem eigens gebauten Gerät.

Zwei Dinge werden dabei fast nie mitgeliefert. Die Leistung lag dort bei etwa 8 mW/cm², weit unter allem, was in deinem Bad steht. Und aus der Augenheilkunde gibt es Gegenstimmen zu genau dieser Anwendungsform, weil drei Minuten direktes Hineinsehen je nach Gerät nah an anerkannte Grenzwerte kommen.

Daraus folgt nichts Dramatisches, aber eine klare Regel. Sieh nie absichtlich in eine Lichtquelle, die nicht ausdrücklich für das Auge gebaut wurde. Eine Gesichtsmaske ist es nicht. Ein Panel ist es nicht. Und was sonst noch an Halbwissen zu diesem Thema unterwegs ist, habe ich einzeln durchgesehen.

Tipp 5: Trenne die Augenpartie vom Auge

Das sind zwei Themen, und sie landen ständig in einem Topf.

Die Haut um das Auge ist Haut. Dünner als anderswo, schneller müde aussehend, im Prinzip aber derselbe Fall wie die Wange. Licht arbeitet dort so, wie es überall arbeitet: langsam, über Wochen, mit einem Ergebnis, das man auf einem Foto eher sieht als im Spiegel. Das Auge selbst ist etwas völlig anderes und ist bei keiner Gesichtsanwendung das Ziel.

Die Augenpartie und das Auge sind zwei verschiedene Baustellen. Wer gegen Schatten und Schwellungen unter den Augen arbeitet, sollte außerdem wissen, dass dort mehrere Ursachen zusammenkommen und Licht nur einen Teil davon erreicht. Warum Augenringe so hartnäckig sind, ist eine eigene Geschichte.

Was Rotlicht am Auge nicht kann

Der ehrliche Teil, und er fällt kurz aus, weil die Datenlage dünn ist.

Für die Sehkraft gibt es einzelne kleine Untersuchungen und kein Langzeitprofil. Für die Haut um das Auge gilt, was für Lichttherapie generell gilt: mehrere Wochen regelmäßig, dann eine Veränderung, die real, aber unspektakulär ist.

Und es gibt Situationen, in denen das Gerät im Schrank bleibt:

  • Grüner Star, Makuladegeneration oder eine Netzhauterkrankung: erst der Augenarzt, dann das Gerät.
  • Medikamente, die lichtempfindlich machen: dasselbe.
  • Ein gerötetes, geschwollenes oder schmerzendes Auge: kein Licht, sondern ein Termin.
  • Kinder: nicht ohne ärztliche Absprache, unabhängig vom Gerätetyp.

Wenn du eine Augenerkrankung hast, ist das keine Entscheidung, die du allein triffst. Das ist keine Vorsicht aus Prinzip, sondern schlicht die Stelle, an der Selbstbehandlung aufhört. Weitere Fragen, die immer wieder kommen, sind hier gesammelt.

Was du daraus mitnimmst

Wenn du bis hierher unsicher warst, lag das nicht an dir. Du hast nicht zu wenig gelesen, sondern zu viel, und zwar über drei Geräte, die denselben Namen tragen. Sobald man sie trennt, löst sich der Widerspruch von allein auf.

Uns ist lieber, du verstehst, warum bei deinem Gerät gilt, was gilt, als dass du eine Regel befolgst, die jemand für ein anderes Gerät aufgeschrieben hat.

Sieh heute Abend einmal nach, was in deiner Anleitung steht. Meistens ist die Antwort schon im Haus.

Back to blog